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Wer trägt den Affen?

Warum gute Führung nicht bedeutet, alle Aufgaben an sich zu ziehen

Florian Cremer
Florian Cremer
Illustrierter Schreibtisch, auf dem mehrere kleine Cartoon-Affen zwischen Aktenstapeln, Ablage und Bildschirm sitzen und herumklettern. Kein Mensch im Bild. Sinnbild für offene Aufgaben, die sich auf dem Schreibtisch stapeln.

Ein Mitarbeiter steht in der Tür. „Kurze Frage, wir haben da ein Problem.”

Wir reden zwei Minuten. Ich sage: „Lass mich kurz drüber nachdenken, ich komme auf dich zu.”

Er geht erleichtert raus. Ich sitze da. Mit einer neuen Aufgabe.

Ein Bild aus dem Jahr 1974

Was da gerade passiert ist, hat vor über fünfzig Jahren jemand ziemlich präzise beschrieben.

1974 veröffentlichten William Oncken und Donald Wass im Harvard Business Review einen Text mit dem Titel „Management Time: Who’s Got the Monkey?”. Bis heute ist er einer der meistgelesenen Beiträge, die das HBR je gedruckt hat.

Ihr Bild: Jede offene Aufgabe ist ein Affe. Der nächste Handgriff, die nächste Entscheidung, der nächste Schritt. Solange die Aufgabe offen ist, sitzt der Affe auf einer Schulter und will versorgt werden.

Der Affe ist die Aufgabe, nie der Mensch

Wichtig ist eine Klarstellung, die im Original oft überlesen wird. Der Affe ist nie der Mensch. Der Affe ist die Aufgabe.

Und in dem Moment, in dem ich als Führungskraft sage „Ich kümmere mich”, springt der Affe von der Schulter des Mitarbeiters auf meine. Er geht erleichtert aus dem Gespräch, ohne offene Aufgabe. Ich bleibe mit einer neuen zurück.

Einmal ist das kein Problem. Es gehört zum Job.

Warum es sich nach Führung anfühlt, aber keine ist

Aber zehn Leute, jeder mit ein paar Affen, und plötzlich sitze ich abends im Büro und fange an, meine eigentliche Arbeit zu machen. Während mein Team auf mich wartet.

Das Tückische daran: Es fühlt sich nach guter Führung an. „Ich löse das schnell” klingt nach Verantwortung und nach Fürsorge.

Dabei ist es das Gegenteil. Ich überlaste mich selbst und werde zum Engpass, an dem alles hängen bleibt. Und ich nehme meinen Leuten genau die Aufgabe weg, an der sie gewachsen wären.

Die wirksamste Reaktion ist oft, nichts zu sagen

Die stärkste Antwort einer Führungskraft ist in solchen Momenten oft, erst einmal nichts zu sagen. Nicht „Ich kümmere mich”. Sondern „Was ist dein nächster Schritt?”.

Diese eine Frage lässt den Affen dort, wo er hingehört. Sie signalisiert Vertrauen statt Kontrolle. Und sie macht aus einem Problem, das abgegeben wird, eine Aufgabe, die verantwortet wird.

Das ist kein Wegschieben. Es bleibt meine Aufgabe, zu unterstützen, Hindernisse aus dem Weg zu räumen und ansprechbar zu sein. Der Unterschied ist nur, wer den nächsten Schritt macht.

Damit der Affe sichtbar bleibt

In der Praxis scheitert das selten am guten Willen. Es scheitert daran, dass niemand sieht, wer gerade welchen Affen trägt. Wenn Aufgaben in Köpfen, E-Mails und Zurufen stecken, bleibt der Führungskraft am Ende doch nur, alles selbst einzusammeln.

Genau hier setzt unsere Arbeit mit spiritflow an. Wenn sichtbar ist, wer woran arbeitet und wo etwas hängt, muss niemand die Aufgabe an sich ziehen, nur um den Überblick zu behalten. Der Affe bleibt beim Mitarbeiter, und die Führungskraft sieht trotzdem, ob er gefüttert wird.

Führung heißt, den Affen dort zu lassen, wo er hingehört

Führung heißt nicht, alle Affen zu tragen. Sondern dafür zu sorgen, dass jeder seinen eigenen behält und selbst füttern kann.

Wer das schafft, hat abends weniger auf dem eigenen Schreibtisch. Und ein Team, das stärker geworden ist, statt auf ihn zu warten.

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